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Ein Dorfheiliger auf dem Fußballplatz

Gertrud Wolber - eingestellt Kerstin Rendler

Oliver Hauer hat 2011 in Glatten und Freudenstadt beim Württembergischen Fußballverband die Schiedsrichterprüfung erfolgreich abgelegt. Er war 16 Jahre alt, eine Sprunggelenksverletzung zwang ihn zum Umdenken. Thomas Oberföll und Karl-Philipp Schmid zur Freude, so konnte der SC Kaltbrunn dem Verband einen Referee melden.

Gerne unterstützten die beiden den Neuling bei Fragen, Ausrüstung und Fahrdienst. Meist begleitete jedoch sein Vater Konrad Hauer den ehemaligen Torwart (damals noch rote Erde auf dem Kaltbrunner Sportplatz) zu seinen Spielen. Einen Paten hatte er somit nicht, brauchte er auch nicht, das übernahm mit Stolz sein Vater. Oliver´s Eltern Nicole und Konrad Hauer sind heute noch dabei, wenn sein inzwischen verheiratete Sohn Spiele bis zur Herren-Bezirksliga oder Frauen-/Junioren-Landesliga leitet. Damit seine Frau und die beiden Kinder nicht zu kurz kommen, ist der Altenpfleger alle zwei Wochen im Einsatz, so bleiben auch Wochenenden für die Familie. Seit fünf Jahren ist der gebürtige Kaltbrunner für den SV Oberwolfach unterwegs, somit für den Südbadischen Fußballverband.

Oliver Hauer ist nicht wählerisch, was seine Ansetzungen angeht. Bei Begegnungen der Aktiven (Herren) kommen viele Zuschauer, das macht dann halt doppelt Spaß, auch für den Schiedsrichter. Bezüglich der Video-Schiedsrichter in der Bundesliga ist der Schenkenzeller skeptisch, dem Spielleiter und den Linienrichtern wird viel Macht genommen. Zudem dauern diese Überprüfungen „ewig“. Oliver Hauer hat noch ein zweites Ehrenamt, er gehört zu den Dorfheiligen, dort recht er auch mal Heu den Hang runter oder hilft beim Christbaumstellen auf dem Kaltbrunner Friedhof. Zudem ist Oliver in der Freiwilligen Feuerwehr und leistet dort sein Ehrenamt für die Bevölkerung.

Zum Schiedsrichternachwuchs hat Oliver eine klare Meinung: Solange es Gewalt und Diskriminierungen auf und neben dem Platz gibt wird es auch sehr schwierig werden neue Schiedsrichter zu gewinnen. Dennoch sei es wichtig und auch richtig es mal zu „versuchen“, man könne im eigenen Verein mal Jugend Freundschaftsspiele leiten, um selbst ein Gespür dafür zu haben ob es einem liegt oder eben nicht, aber Oliver denkt jeder sollte es wenigsten Mal „ausprobieren“.


Oliver persönlich hat auch in seinem Freundeskreis mal angefragt, wie es ausschaut mal ein Spiel zu leiten unter der Aufsicht des Verbandschiedsrichters, bisher leider ohne Erfolg. Aber womit Oliver mal punkten konnte, war es an einem Bundesliga Spieltag. Oliver sagte zu seinen Freunden achtet mal NUR auf den Schiedsrichter und sonst nix und dann reden wir in der Halbzeit darüber was ihr „beobachtet“ habt und was euch aufgefallen ist.
Dieses Experiment kam sehr positiv an und es wurden den Freunden von Oliver auch klar, was der Schiedsrichter für Aufgaben hat aber auch ein guter Umgang mit den Spieler sehr zum Vorteil sein muss um für alle ein attraktives und entspanntes Fußballspiel zu gestalten.

Foto: Gertrud Wolber

von links: Spielführerin Malene Heilmann SG Mahlberg/Friesenheim/Kappel, Trainer Rene Olivier, Schiedsrichter Oliver Hauer, Spielführerin Jana Lehmann SV Oberwolfach, Trainer Anton Herrmann